Forschung

Karriereverläufe von Frauen in Paarbeziehungen. Paardynamiken und institutionelle Rahmungen

Projektpublikationsliste Projektbeschreibung beim DJI

Fragestellung

Während viele Untersuchungen die divergierenden Ausbildungswege der Geschlechter und die Diskriminierung von Frauen in der Arbeitswelt in den Mittelpunkt ihrer Forschung zu Frauenkarrieren rückten, befassten wir uns mit der Bedeutung der Paarbeziehungen, in denen Frauen leben, für ihre berufliche Entwicklung. Da Frauen mit hohen beruflichen Ambitionen in Paarbeziehungen fast immer mit Männern liiert sind, die ebensolche Ambitionen haben, stehen die hochqualifizierten Frauen und ihre Partner fast immer vor der Frage, wie sie zwei Karrieren mit einem befriedigenden Privatleben verbinden können. Auf Kinder wollten die wenigsten verzichten.

Die wichtigsten Ergebnisse

In dieser Studie wurden über 150 narrative Interviews mit hochqualifizierten Frauen und ihren Partnern ausgewertet. Dabei ergaben sich die folgenden Muster der Verflechtung von Karrieren:

Äußerst selten verfolgten nur die Frauen eine Karriere. In der Regel bemühten sich beide, beruflich voran zu kommen. Das heißt keine der Frauen hatte einen Partner an ihrer Seite, der ihr so den Rücken frei hielt, wie dies noch vor einer Generation von den Ehefrauen hochqualifizierter Männer wie selbstverständlich erwartet wurde.

In einigen Fällen gelang es hochqualifizierten Paaren, dauerhaft zwei Karrieren zu verfolgen. Dabei waren zwei Strategien zu beobachten. Eine Strategie bestand darin, dass beide dem herkömmlichen Modell von Männerkarrieren folgten und dazu so viel Haus- und Sorgearbeit wie irgend möglich an Dritte delegierten. So waren beide relativ frei von Haus- und Sorgearbeit. Eine andere Strategie bestand darin, dass beide abwechselnd den anderen bei seinem nächsten Karriereschritt unterstützten und dafür in fest vereinbarten Phasen auf das Verfolgen eigener Ambitionen verzichteten. Auch manche Männer schränkten in Phasen, in denen ihre Frauen einen wichtigen Karriereschritt vollzogen, ihre Erwerbstätigkeit ein, insbesondere um in dieser Phase vermehrt für die gemeinsamen Kinder da zu sein.

Manche Paare machten gemeinsam im eigenen Unternehmen Karriere, in dem sie dieses zum Erfolg führten. In manchen Paarbeziehungen war die Frau deutlich jünger und konnte im Einvernehmen und mit Unterstützung ihres Partners wichtige Karriereschritte nachholen und später mit ihrem Partner gleich ziehen.

In anderen Beziehungen reduzierten allein die Frauen ihre beruflichen Ambitionen, um für gemeinsame Kinder da zu sein. Nach einigen Jahren konnten sie aber an ihre früheren Erfolge anknüpfen und zumindest auf etwas niedrigerem Niveau oder in einem familienfreundlicheren Umfeld noch weitere eine Karriereschritte.

Nicht selten kam es zu einer Priorisierung der männlichen Karriere. Sie setzte oft schleichend ein und war eigentlich von keinem der Partner gewollt. Umzüge zugunsten der beruflichen Etablierung des Mannes waren ebenso wie die Geburt eines Kindes Anlässe für eine solche Entwicklung. Nach einer ersten Priorisierung der männlichen Karriere war es bei diesen Paaren typisch, dass die inzwischen fortgeschrittene berufliche Entwicklung des Mannes zum Anlass für eine weitere Priorisierung der männlichen Karriere genommen wurde. Die berufliche Entwicklung der Frauen blieb dabei mehr und mehr hinter der ihres Partners zurück. In manchen Fällen kam es trotz ursprünglich gleichwertiger Qualifikation der Frauen dazu, dass diese Frauen ihre ursprünglichen Karriereambitionen ganz aufgaben und nur noch die Karriere ihres Mannes stützten.

Am verbreitetsten war im Sample das Muster, bei dem Frauen ihre berufliche Entwicklung zwar im Blick behielten, aber bereitwilliger als ihre Partner zugunsten familiärer Aufgaben und zugunsten seiner Karriereambitionen eigene Karrierewünsche zumindest auf Zeit zurückstellten und dabei Beeinträchtigungen ihrer beruflichen Karriere häufiger in Kauf nahmen als ihre Partner.